First Aid 4 Souls – Brutpop * CD review


Elektroklänge aus Ungarn. Das Quintett First Aid 4 Souls ist noch ein recht junges Projekt, welches 2006 gegründet wurde. Einige der Bandmembers jedoch werkeln schon Anfang der 90er herum und somit konnte unter dem Namen First Aid 4 Souls in der Heimat Ungarn schon ein Name errungen werden. Auf den geneigten Hörer wartet eine Mischung aus Die Form, Massive Attack, Kirlian Camera und alles zusammen klingt durchweg innovativ, spannend und vielschichtig.

First Aid 4 Souls umgarnt den Hörer mit sehr komplexen Soundteppichen, rhythmischen Beats und einem sauberen weiblichen Gesang. So zumindest beim Einsteiger „Before The Light“, dem darauf folgenden Track „First Aid“ und auch bei „Circus Maximus“. Es ist irgendwie eine schräge düstere Mischung aus Klaviernoten, Streichern, Flüstern, Beats und melodischen Arrangements aus dem Synthesizer. Teilweise scheint es so komplex, dass es schon fast verwirrt und man dem Konstrukt nicht recht folgen kann.
Der Song „Painkiller“ kommt anfangs gänzlich ohne Vocals aus und bedient uns mit dem Hauptaugenmerk Eingängigkeit und Rhythmus. Erst im zweiten Drittel setzen männliche Flüstervocals ein, welche dem Song eine ordentliche Prise Düsterkeit verpassen.
Im Song „Powa“ kommen zum allgemein schon komplexen Grundgerüst noch Gitarrensounds hinzu und Sängerin Katalin Helfenbein zeigt sich sowohl von der gesanglich sanften als auch von ihrer rauen Seite. So paaren sich saubere Gesangsparts mit rauen und derben Einwürfen. Ebenso rockig kommt „Wings of Morpheus“ daher. Aber hier ist es schon wieder fast zu komplex. Noch ne Note härter und rockiger wird es mit „Hairy-[ass]ed (Hun Version)“. Verzerrte Vocals und Shouts treffen auf Rocksounds, Marschgeräusche, helle Percussion und ausgetüfftelte Soundgerüste. Einfach nur schräg!
Schon fast Ambient und sehr experimentell wird es mit den Tracks „Reconquista“ und auch dem letzten Song der Scheibe „The Wave“. Ganz schräg wird es dann bei „Sui.Acid“ (ein tolles Wortspiel übrigens). Hier treffen etliche Genres aufeinander (Reggae, Ska, Electro, Ambient, Pop, Soul, Akustik uvm.). Absolut neu und innovativ in meinen Ohren.
In eine ganz andere Richtung verschlägt es uns bei „The Unborn Child“ und auch bei „Crime And Punishment“. Die Songs sind durchweg catchy und bestechen durch den männlichen Gesang. Ambient meets Emotion und beides zusammen trifft auf düstere Soundteppiche. Das gefällt.
Durchaus clubtauglich geht es mit „Robochan“ heftig zur Sache. Hier gibt es auch wieder viel innovatives auf die Ohren. So könnte die Musik der Zukunft klingen? Ich denke gerade bei diesem Song sind First Aif 4 Souls ihrer Zeit einfach voraus.

Alles in Allem habe ich nun eine Reise hinter mir, die durchweg abwechslungsreich gestaltet war. Und so führte es vorbei an psychedelischen Soulerlebnissen, tranceartigen Ambientsounds, rockigen Einwürfen, elektronischen Klanglandschaften und gesanglichen Hörvergnügen, welche unter die Haut gehen.
Ich weiß nicht recht, ob ich nach dem Durchhören der Scheibe nun sprachlos bin, weil sie einfach so genial ist oder eben weil ich verwirrt und vor lauter Komplexität überfüllt bin.
Tja, nun stellt sich mir die Frage: Ist die Musik von First Aid 4 Souls gezeugt von Genie oder Wahnsinn? Ich denke, es steckt von beiden eine gehörige Prise drin. Jedenfalls ist „Brutpop“ in meinen Ohren was ganz anderes und nie gehörtes und dementsprechend mal eine Auflockerung und Wohltat für’s von technoiden „Utz Utz“ übersättigte Gehör.
Die „Erste Hilfe für Seelen“ ist also gut gelungen, wenn auch gleich ein bisschen zu viele Wirkstoffe verabreicht wurden.

9 von 10 Punkten

Anspieltipps:
The Unborn Child
Hairy-[ass]ed (Hun Version)
Crime And Punishment

Quelle: http://www.fahrplan-schwarz.de/fs/index.php/review/309-first-aid-4-souls-brutpop.html

Geschrieben von:  S. G.

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Eine Antwort to “First Aid 4 Souls – Brutpop * CD review”

  1. Fahrplan-Schwarz Says:

    First Aid 4 Souls – Brutpop…

    Elektroklänge aus Ungarn. Das Quintett First Aid 4 Souls ist noch ein recht junges Projekt, welches 2006 gegründet wurde. Einige der Bandmembers jedoch werkeln schon Anfang der 90er herum und somit konnte unter dem Namen First Aid 4 Souls in der Heimat…

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