First Aid 4 Souls – Deathstep review auf Fahrplan-Schwarz

FS
FA4S-Deathstep

Was geschieht, wenn experimentierfreudige Musiker Industrial mit Dubstep und Metal mischen? Es wird zu etwas Neuem, zu „Deathstep“! So lautet auch der Titel des zweiten Albums der Ungarn. Angetrieben von Mastermind István Gazdag, der seit den 90ern mit bekannten Bands auf der Bühne stand, legen FA4S auf ihrem zweiten Longplayer an Härte zu. Dies paaren sie mit sphärischen Klängen und bedrohlich wirkenden Gesängen vieler Gastmusiker. Darunter befinden sich Katalin Helfenbein, Attila Palfavy, Mark Duffield und Aaron Russell, um nur einige zu nennen. Mit ihrem verzerrten Einsatz der Vocals wird die düstere Atmosphäre eindrucksvoll akzentuiert. Ein Soundtrack zum Ende der Welt tischen uns First Aid 4 Souls hier auf. Musik gewiss mit Ecken und Kanten – doch immer gepaart mit dem gewissen Etwas, dass nicht nur kein Titel wie den Anderen klingen lässt -mal sind die Kanten sehr stark ausgeprägt, mal sperrig und dennoch überzeugen FA4S immer wieder durch ihre Einzigartigkeit fernab vom Mainstream der elektronischen Musikszene.

Beginnen wir uns das Werk „Deathstep“ einmal näher anzuhören:
You are in a box“ führt uns mit sägenden Gitarren und abgrundtiefen Bassfundamenten gleich hinein in die Dystopie, der Beat hämmert los und treibt uns zum Abgrund. Dazu krächzt der Vocoder sein Roboter Lied. Dieser Einstieg in ein Album gefällt. „Among strangers“ setzt speedmäßig einen drauf, klingt dabei fetzig nach alten Zeiten.

Es ist härter, böser, verstörender. „No more smile“ setzt genau an dieser Stelle an und treibt uns zum Limit. Dazu sägen sich die Gitarren in unser Gehör. Diese beiden Titel weisen Qualitäten auf, wie wir sie früher auf Skinny Puppy Aufnahmen so liebten.

Das folgende Stück „Agony“ weist ein wenig viel Ecken auf. Es wirkt sperrig, powert aber mit treibenden Beat und E-Gitarren voran. „The Watchman’s Circle I“ nimmt ein wenig die Härte heraus und lässt den Hörer etwas durchatmen. Ein dennoch klasse, sehr perkussives Stück aus sphärischen Klängen und Rhythmen. „Lifeforce“ kehrt zu alter Härte zurück. Dazu sorgt der eiskalte, verzerrte Gesang für eine Atmosphäre aus Hass und Wahnsinn. „Sekuhara“ erinnert ein wenig an XMH vom Sound, sorgen doch auch hier weibliche, verzerrte Vocals für die Portion Gänsehaut beim Hören. Dazu knallt der dubstep like Rhythmus. „House Harkonnen“ – wer denkt hier nicht an Dune und das böse Haus der Harkonnen. So treibt uns dieser Track mit einem düsteren Sprechgesang durch die Wüste. Die Rhythmen sind heiß und der Sound wie ein Wüstensturm.

Mit „Notes from Underground“ erhalten wir wieder etwas Zeit zum Kräfte sammeln um im zweiten Teil des Stückes wieder loszulegen. Die Hookline fräst sich dabei in unsere Gehörgänge und peitscht auf die Tanzfläche. Dieser Track ist gewiss Clubtauglich! „Wrong call to go“ – wer hat sich hier nur verwählt? Wir wissen es nicht! Der eingängige Track jedenfalls verwöhnt die Ohren durch einen warmen, klassischen Sound. „No Mercy“ in der „Cybertears Version“ spricht die jüngeren Hörer elektronischer Musik an, begeistert aber dennoch mit filigranen Spiel an Reglern und Filtern der Synthies und Vocoder Gesang. „Seelenlos“ in „Deathstep Version“ beginnt vollkommen unerwartet als Stück mit klassischen Instrumenten. Diese werden im Verlauf durch die Elekrtronik unterstützt. Eine hoch interessante Kombination, die FA4S hier hinlegen. „The Watchmen’s circle II“ knüpft als sphärisches Stück an Teil 1 an, der Synth Bass wummert und auch hier sind die musikalischen Ecken vielleicht eine zu viel angesetzt. „Soulscape“ kommt im verstörten Ambient Dubstep Gewand daher – Kickbässe powern, der männliche Gesang unterstützt diesen Sound. Ungewöhnlich – aber interessant.

The end of culture“ markiert das etwas sperrige Ende des Albums – und auch der menschlichen Kultur. Dissonanz und verstörende Klänge prägen das Bild.
Das Durchhören des Albums „Deathstep“ ist gewiss nicht einfach. Die Musik ist einfach nicht alltäglich, das ist sehr reizvoll. Gewiss sind First Aid 4 Souls kein Musikprojekt zum nebenbei hören. Dafür sind die Stücke zu komplex und auch zu atmosphärisch. Der Reiz würde einfach verloren gehen. Somit sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich auf einen Trip ans Ende der Welt einlässt. Lohnen tut er sich in jedem Falle! Fans von Endzeitatmosphäre und nicht-alltäglicher Musik kommen voll und ganz auf ihre Kosten.

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