La Santé – Punk Body Music * Review @ Mensch-Maschinen-Musik

La Santé – Punk Body Music

 Genre: Oldschool EBM
Release: 2015
La Santé ist kein französisches Projekt, auch wenn der Name (frei übersetzt: „Die Gesundheit“) darauf hin deuten könnte. Bei dieser Auskopplung handelt es sich um ein eigentlich noch relativ junges Projekt welches vor gerade mal drei Jahren mit gleich zwei Alben gestartet ist. Das interessante und ungewöhnliche an diesem äußerst straighten und Oldschool-lastigen EBM-Projekt ist, dass es komplett mit entspannten lyrischen Versen auf polnisch besungen wird. Der Kopf hinter La Santé heißt Andre van der Berg und scheint ein ruhiger Zeitgenosse zu sein der nicht viel darauf gibt einen großen Hype um sich und seine Person zu machen. Der nachdenkliche Sympathisant aus Polen lebt nun schon seit geraumer Zeit in Schweden und wird auf dem diesjährigen Familientreffen in Sandersleben sein Live-Debut geben worauf viele Freunde avantgardistischer elektronischer Musik gespannt sein dürfen. Mit der klaren Ansage Punk Body Music tritt La Santé nun erstmals unter festem Label bei Electro Arc in Erscheinung nachdem die ersten beiden Platten Eigenveröffentlichungen waren. Man darf also ruhig gespannt sein!

Das Album beginnt mit „Goryl“ was soviel wie „Gorilla“ bedeutet. Ähnlich schwer stößt einem schon die äußerst rauhe Sägezahnsequenz entgegen, die polnischen Verse werden ebenfalls leicht metallisch verzerrt. Auch wenn man ohne polnisch Kenntnisse nicht viel vom Text versteht spricht die bedrückende und nachdenkliche Atmosphäre Bände. Die Drums kommen straight und energiegeladen rüber, so dass man schnell Bezug zum Song aufbaut.
Weiter geht es mit „Ja Chmura“ und technoidem Sequenzgeschwurbel, darauf ergänzt sich ein säuberlich ausgearbeiteter Drumpart und die bekannte schwere Sägezahnsequenz wird von einer etwas leichteren überlagert. Alles ist äußerst rhythmisch und trotz des starken technologischen Anteils wirkt es dennoch sehr natürlich. Schöne Musik zum Genießen und einfach mal Abschalten.
Der bereits verbreitete Song „Chleb Z Kokaina“ beinhaltet eine sehr feine und angenehme Klangfarbe in seiner Grundsequenz. Glockenartige Töne ergänzen sich zur tiefen Bassline, so dass La Santé dem EBM-Liebhaber direkt ins Herz geht. Mit straighten 120bpm und langsamen Drums schleifen die lyrischen Verse langsam vor sich hin. Klasse!
„Ona“ fordert die Stomper von Beginn an mit seinen analogen DAF-Sequenzen zum wilden Tanzen auf. Zuerst etwas mühselig beginnend, aber dann mit energiegeladener Drumspur und dicken Bässen. Kurz und schmerzlos!
Etwas helltöniger geht es mit abwärts laufenden Basssequenzen bei „Zlote I Szare“ weiter. Trotz sehr ähnlicher Klangstrukturen muss man La Santé anerkennen, dass jeder Song seine Besonderheit hat und mit viel Liebe für angenehmen Klang ausgearbeitet wurde. Die Drums laufen straight und unverändert durch und die Vocals versuchen etwas mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen. Nach der Hälfte sind zusätzlich sogar noch weit geöffnete Atmosphäere-Pads zu vernehmen.
Sehr kalt und rauh beginnt „Stary Dom“. Die anfängliche Sequenz wirkt im wahrsten Sinne wie ein Sägezahn der einem ins Ohr fährt. Der überlagernde Teil erinnert streckenweise sogar an Gitarrenriffs. Die Vocals kommen harmonisch zur Geltung, am Speed ändert sich nicht viel.
„Ide I Plone“ bleibt tiefenlastig und schweratmig. Etwas schneller und minimalistischer fallen hier Drums und Sequenzen auf. Zur Mitte hin wirkt alles auf Grund einiger Noise-Effekt noch etwas technoider. So zieht der Track ein weiteres seine Bahnen wie die weite Autobahn oder ein niemals endender Wasserfall.
Zawse Tylko My“ wirkt dagegen deutlich abwechslungsreicher. Zunächst eine obertonreiche glockenartige Sequenz, dann eine schwere aber feine Bassline, ergänzend dazu weite Pads und Vocals im Echogewand. Richtig geil wirkt auch der daraufhin ansetzende Melodieteil. Schön, schöner, einfach nur Oldschool!
Weiter geht es mit dem etwas kurzen „Meskalina“ und leichtem Wellenrauschen. Wieder ein sehr geradliniger Track ohne viel Veränderung in seiner Drumstruktur, aber mit vielen Obertönen und weitem Klangspektrum. Sequenzen die sich gekonnt zu einem Gesamtkunstwerk überlagern.
Bei „Zrobie Sobie Zdjecie“ hört man zunächst eine Maschine lauter werden. Eine analoge Basssequenz gibt abermals den Ton an. Flächen bauen sich zusätzlich auf und den Vocals wird etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Der ganze Track wirkt deutlich melancholischer und von einer eigenartigen Trauer erfüllt. Geht vor allem dadurch gut unter die Haut.
Weiter geht es mit „Powoli“ und schweren Atemzügen. Die Vocals kommen hier deutlich härter und metallischer zur Geltung. Nach einem eindeutigen Intro fängt der Song ordentlich an an Energie zu gewinnen und stößt einem mit aggressiven Bässen und verzerrten Synths entgegen. Geiles Ding!
„Moja Wina“ macht direkt da weiter wo der letzte Song aufgehört hat und läd auf Grund seines klaren Bassline-Geschwurbels sofort zum Tanzen ein. Sehr schön wie sich hier Drums, Synths und Sequenzen ergänzen. Einfach nur großartig wie weitflächige Pads für eine eingänge Atmosphäre sorgen, das ist wirklich Punk Body Music!
So schnell wie das Album begonnen hat endet es auch schon mit „Jestem Niewidzialny“ und einigen Spielereien bezüglich Klangfarbe und Flanger-Effekten. Daraufhin folgt wieder ein straighter Track voller Lyrik und Basslines. Zurück bleibt nur das Bedürfnis auf die Repeat-Taste zu drücken!

Fazit:
Nachdem man sich Punk Body Music durchgehört hat stellt sich einem nur die Frage wo der Künstler Namens Andre van der Berg eigentlich all die Jahre geblieben ist? La Santé ist ein tolles, energiegeladenes Oldschool EBM-Projekt welches seine Liebe zu einer sauberen Kombination aus straighten Drums und tiefen Sequenzen stark zur Geltung bringt und dem Hörer dadurch ein wunderbares Klangbild auf die Ohren verpasst. Der Stil ist zwar nicht sonderlich abwechslungreich, gleicht dies jedoch auf Grund unterschiedlicher Klangfarben in jedem einzelnen Song deutlich aus. Polnisch Kenntnisse wären in Anbetracht der Lyriks jedoch von Vorteil gewesen um noch eine entsprechende Message zu bekommen. „DAF auf polnisch“ hat jedoch alles richtig gemacht um einen schönen und sauberen EBM abzuliefern. Das Album wird auf dem diesjährigen Familientreffen 11 in Sandersleben in limitierter Auflage zu haben sein. Kaufen lohnt sich!

Lieblingstrack: Chleb Z Kokaina

Bewertung: 9(,5)/10

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