Noisy Deafness – Silent Remembrance * Review @ Mensch-Maschinen-Musik Blog

1001044 Noisy Deafness - Silent Remembrance (digital) front
Electro Arc ist mittlerweile bekannt als Label, welches bevorzugend Newcomer die zum Einen nicht allzu viel Reden von sich machen konnten und sich stets im Untergrund versteckt hielten aus der Versenkung holt sowie zum Anderen einen gewissen eigenen Klang zur Geltung bringen welcher sich nicht einfach in jede x-beliebige Schublade stecken lässt. So auch bei Noisy Deafness. Hinter diesem Projekt steckt der Ungar Lászlók István, welcher sein Projekt 2013 startete und letztes Jahr nur marginal durch eine Single auf sich aufmerksam machte. Das soll sich nun jedoch mit dem Debut-Album Silent Remembrance, auf dem sich zehn neue Tracks befinden und darauf warten gehört zu werden, endgültig ändern.
Der erste Track „Comfort“ umschließt schon mal eine recht interessante, technoide Atmosphäre die angetrieben durch abgehackte Sequenzen und im Äther verhallende Töne seine Stellung verdeutlicht. Die Beats kommen hart und digital, der gesamte Instrumentalteil schwankt klanglich zwischen analogen Sequenzen und digitalen Virus-Flächen. Die Vocals wirken jedoch etwas zu penetrant und aufgesetzt. Alles in allem eine recht moderne, füllige Nummer.
„After The Storm“ lässt wiederum erst mal einige Zischlaute verhallen, startet dann mit einer clubbigen Kick-/Snare-Spur und einigen netten Basssequenzen. Die Vocals kommen auf ihre flüsterhafte Weise besser an und auch die nicht ganz so technoiden Flächen machen einen feinen Eindruck. Eine gesunde Mischung aus VST- und Hardware-Einsatz, die sich gut von Anfang bis Ende hören lässt.
„Altar Of Sacrifice“ macht diesbezüglich mit starkem LFO-Einsatz im Bassbereich weiter, die Kicks wirken jedoch etwas zu dick aufgetragen und lassen den Rest etwas untergehen. Weiterhin überziehen weite Soundschlieren den Song. Die Vocals weisen einen ausgefeilten Verzerrungsalgorithmus und einige interessante Effekte auf. Das Mastering hätte jedoch etwas besser ausfallen können und die sich nicht mal im Ansatz verändernde Monotonie macht nicht wirklich Laune den Song bis zum Schluß anzuhören.
Dagegen beginnt „Evil Eyes“ etwas düsterer und mit einigen Pianosamples, die trashige Horror-Atmosphäre kommt hier gut gewollt rüber. Die Bässe machen einen starken Eindruck und auch der Drumpart harmoniert sehr gut mit den Synths. Interessante Soundeffekte schleichen sich sowohl zwischen den Vocalpausen wie auch ins Instrumentarium mit ein. Ein sehr schöner Song der genau das ausdrückt was er ausdrücken möchte. So muss das!
„Obsession“ bleibt zunächst bei dieser Horror-Stimmung, legt dann aber mit einer überraschend fröhlichen, jedoch schrägen Melodie und durchaus gelungenen Sägezahnsequenzen nach. Die Rhythmik hat dabei etwas Drum’n Bass-lastiges, die Bässe nehmen sich selbst nicht zu ernst und es ist viel Experimentierfreude aus dem Song zu hören was jedoch teilweise zu viel des Guten ist und sich vom Wesentlichen distanziert. Die Aussage des Songs wird einem nur schwer klar und einige Melodien wirken nicht ganz so harmonisch.
Nach der Halbzeit geht es mit dem Track „Next To Grave“ und einigen für dieses Projekt bezeichnenden zischenden Noise-Samples weiter. Die Basssequenzen sind wieder mal sehr gelungen und sorgen dafür, dass der Song langsam Fahrt aufnimmt. Die Vocoder-verzerrten Vocals wirken hier wieder komplett anders als in vorherigen Songs. Die Klangspielereien sind dabei  bezeichnend für dieses leicht experimentelle Projekt mit dicken Beats.
Mit deutlich schnellerer Rhythmik macht „Forever“ weiter. Dabei sorgen vor allem die einsetzenden Zischlaute und die Mischung aus klassischen Geigensamples sowie technoidem Geschwurbel für ein ganz eigenes Feeling. Die Drums und Bässe sind sich in ihrer Sache ziemlich sicher und wirken abgeklärt zueinander. Ein mühevoll ausgearbeiteter Track mit einer Menge versteckter Klangvielfalt, die Spaß macht und den Song imposant erscheinen lässt.
Weiter geht es mit einigen Naturklängen und dem Track „Existence“. Zunächst sorgt eine Flangergesteuerte Digital-Sequenz für eine raumfüllende Atmosphäre. Die Drums liegen daraufhin vom Timing her gut jedoch wirkt die zweite im Hintergrund verhallende Sequenz äußerst störend. Auf Grund seiner maschinellen Vocals wirkt der Track äußerst modern und abgeklärt, lässt aber etwas an Tiefgang und Eigenkreation vermissen.
Mit straighten Kicks geht es auch bei „Conception“ weiter. Es bleibt modern und experimentell. Computer- und Robotikgeräusche sind bei diesem Track an der Tagesordnung. Eine 80er Jahre Bassline sorgt in erster Linie für etwas mehr Retro-Sound. Die Geräuschkulisse ist äußerst eindrucksvoll und dabei passen auch die Vocals wunderbar dazu. Eine klassische Synthnummer ohne Ecken und Kanten. So findet auch dieses Projekt irgendwie seinen Stil.
Der letzte Track auf dem Album nennt sich „Joy“ und beginnt eindeutig vor allem erst durch die Ausweitung weiter Flächen und tranciger Ambient-Atmosphäre. Die Geschwindigkeit sowie die restlichen Elemente sorgen für eine beruhigende Stimmung, die Vocals gehen dabei gut unter die Haut. Ein Song der „Freude“ genannt einen in seiner ganzen Traurigkeit umschlingt. Schönes Ding zum Abschluß eines interessanten Debuts.
Fazit:
Newcomer gibt es viele, aber nur wenige bleiben über lange Strecken am Ball und fallen auf. Noisy Deafness ist ein Projekt welches viel Potenzial hat diesen Ball jedoch auf eigene Art und Weise weiter rollen zu lassen und die eigenen Ideen weiter zu spinnen. Das Projekt findet sich als eine Mischung aus Dark Electro, Future Pop, EBM und Dark Ambient wieder und versucht aus allen Welten das Beste raus zu holen was jedoch auf Silent Remembrance nur spärlich gelingt. Der Sound versucht natürlich zu wirken, wird jedoch über weite Strecken immer weiter von technoiden Soundeinlagen überschattet und kollidiert dadurch mit dem eigentlichen Grundklang. Oft fällt es deswegen auch  schwer einen Track von Anfang bis Ende zu hören, da der menschliche Aspekt bei den maschinell langatmigen Spuren verloren geht. Die Basslines haben oft eine angenehme Klangfarbe werden jedoch zu oft vernachlässigt und zur Seite gedrängt. Das Mastering hätte von Grund auf etwas mehr Arbeitsaufwandvertragen können. Die Kritik gilt jedoch nicht für alle Songs, es befinden sich durchaus großartige Nummern auf diesem Album von denen man gerne mehr gehört hätte. Der eigene Stil muss sich jedoch erst noch finden lassen.
Lieblingstrack: Evil Eyes

Bewertung: 7/10

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