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First Aid 4 Souls – Deathstep review auf Fahrplan-Schwarz

2011/05/27

FS
FA4S-Deathstep

Was geschieht, wenn experimentierfreudige Musiker Industrial mit Dubstep und Metal mischen? Es wird zu etwas Neuem, zu „Deathstep“! So lautet auch der Titel des zweiten Albums der Ungarn. Angetrieben von Mastermind István Gazdag, der seit den 90ern mit bekannten Bands auf der Bühne stand, legen FA4S auf ihrem zweiten Longplayer an Härte zu. Dies paaren sie mit sphärischen Klängen und bedrohlich wirkenden Gesängen vieler Gastmusiker. Darunter befinden sich Katalin Helfenbein, Attila Palfavy, Mark Duffield und Aaron Russell, um nur einige zu nennen. Mit ihrem verzerrten Einsatz der Vocals wird die düstere Atmosphäre eindrucksvoll akzentuiert. Ein Soundtrack zum Ende der Welt tischen uns First Aid 4 Souls hier auf. Musik gewiss mit Ecken und Kanten – doch immer gepaart mit dem gewissen Etwas, dass nicht nur kein Titel wie den Anderen klingen lässt -mal sind die Kanten sehr stark ausgeprägt, mal sperrig und dennoch überzeugen FA4S immer wieder durch ihre Einzigartigkeit fernab vom Mainstream der elektronischen Musikszene.

Beginnen wir uns das Werk „Deathstep“ einmal näher anzuhören:
You are in a box“ führt uns mit sägenden Gitarren und abgrundtiefen Bassfundamenten gleich hinein in die Dystopie, der Beat hämmert los und treibt uns zum Abgrund. Dazu krächzt der Vocoder sein Roboter Lied. Dieser Einstieg in ein Album gefällt. „Among strangers“ setzt speedmäßig einen drauf, klingt dabei fetzig nach alten Zeiten.

Es ist härter, böser, verstörender. „No more smile“ setzt genau an dieser Stelle an und treibt uns zum Limit. Dazu sägen sich die Gitarren in unser Gehör. Diese beiden Titel weisen Qualitäten auf, wie wir sie früher auf Skinny Puppy Aufnahmen so liebten.

Das folgende Stück „Agony“ weist ein wenig viel Ecken auf. Es wirkt sperrig, powert aber mit treibenden Beat und E-Gitarren voran. „The Watchman’s Circle I“ nimmt ein wenig die Härte heraus und lässt den Hörer etwas durchatmen. Ein dennoch klasse, sehr perkussives Stück aus sphärischen Klängen und Rhythmen. „Lifeforce“ kehrt zu alter Härte zurück. Dazu sorgt der eiskalte, verzerrte Gesang für eine Atmosphäre aus Hass und Wahnsinn. „Sekuhara“ erinnert ein wenig an XMH vom Sound, sorgen doch auch hier weibliche, verzerrte Vocals für die Portion Gänsehaut beim Hören. Dazu knallt der dubstep like Rhythmus. „House Harkonnen“ – wer denkt hier nicht an Dune und das böse Haus der Harkonnen. So treibt uns dieser Track mit einem düsteren Sprechgesang durch die Wüste. Die Rhythmen sind heiß und der Sound wie ein Wüstensturm.

Mit „Notes from Underground“ erhalten wir wieder etwas Zeit zum Kräfte sammeln um im zweiten Teil des Stückes wieder loszulegen. Die Hookline fräst sich dabei in unsere Gehörgänge und peitscht auf die Tanzfläche. Dieser Track ist gewiss Clubtauglich! „Wrong call to go“ – wer hat sich hier nur verwählt? Wir wissen es nicht! Der eingängige Track jedenfalls verwöhnt die Ohren durch einen warmen, klassischen Sound. „No Mercy“ in der „Cybertears Version“ spricht die jüngeren Hörer elektronischer Musik an, begeistert aber dennoch mit filigranen Spiel an Reglern und Filtern der Synthies und Vocoder Gesang. „Seelenlos“ in „Deathstep Version“ beginnt vollkommen unerwartet als Stück mit klassischen Instrumenten. Diese werden im Verlauf durch die Elekrtronik unterstützt. Eine hoch interessante Kombination, die FA4S hier hinlegen. „The Watchmen’s circle II“ knüpft als sphärisches Stück an Teil 1 an, der Synth Bass wummert und auch hier sind die musikalischen Ecken vielleicht eine zu viel angesetzt. „Soulscape“ kommt im verstörten Ambient Dubstep Gewand daher – Kickbässe powern, der männliche Gesang unterstützt diesen Sound. Ungewöhnlich – aber interessant.

The end of culture“ markiert das etwas sperrige Ende des Albums – und auch der menschlichen Kultur. Dissonanz und verstörende Klänge prägen das Bild.
Das Durchhören des Albums „Deathstep“ ist gewiss nicht einfach. Die Musik ist einfach nicht alltäglich, das ist sehr reizvoll. Gewiss sind First Aid 4 Souls kein Musikprojekt zum nebenbei hören. Dafür sind die Stücke zu komplex und auch zu atmosphärisch. Der Reiz würde einfach verloren gehen. Somit sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich auf einen Trip ans Ende der Welt einlässt. Lohnen tut er sich in jedem Falle! Fans von Endzeitatmosphäre und nicht-alltäglicher Musik kommen voll und ganz auf ihre Kosten.

Red Industrie – Switch * Review at Fahrplan Schwarz

2010/06/05

Das in Mexiko ansässige Liebespaar RED INDUSTRIE hat sich nun auch musikalisch zusammengetan und offeriert uns mit „Switch“ ihr zweites Album. Darauf gibt es neben sieben eigenverantwortlichen Tracks auch noch zwei nebst Gastmusiker ( Psyche, Sara Noxx) und fünf Remixe.

Der Sound auf „Switch“ klingt frisch und anders und stellt mal komplett etwas anderes dar, als man derzeit mit Veröffentlichungen so einiger anderer Bands berauscht wird. Hier ist es nicht einfach nur elektrisch, technoid auf dass es aus den Boxen knallt bis der Notarzt kommt, hier wird auch mal über den Tellerrand gesprungen und es werden Abstecher in die Richtung House und Ambient gemacht. Die nötige Portion Melancholie und Sexiness ist auch dabei. Dabei sorgen die beiden RED INDUSTRIEllen mit ihren sexy gehauchten bzw. geflüsterten Stimmen. Und auch PSYCHE („My Victory“) und Sara Noxx („Your Wish is my Command“) mischen sich diesem erotischen Gefasel bei. Songs wie das locker, fluffige „Domination“ , das rhythmisch melodische „Flesh and Blood“, das eingängige „Going Round 2010“ oder auch das fetzige „Switch“ dürften trotz nicht-knallenden und nicht wummernden Beatz im Club gut funktionieren, kommen diese doch recht tanzbar daher. Auch „Artificial Part II“ und „Anti-Cultura“ lassen Stimmung aufkommen, bieten diese auch wieder richtig nette Ideen und Ansätze. Allerdings bringt die Scheibe leider auch das eine oder andere Manko mit sich und somit ist für Punkteabzug gesorgt. So zum Beispiel die Vielfalt der Vocals. Leider wird zu viel gesprochen und zu wenig bis gar nicht gesungen… Da hätte man ruhig ein bisschen mehr Kreativität einbringen können.
Die Remixe lassen auch etwas zu wünschen übrig. Nicht alle! Der Darkmen Mix und auch der … Mix wissen zu gefallen und auch Angsfabrikk haben ihre Arbeit gut vollbracht. Von meinen sonst so hoch gelobten Autodafeh jedoch bin ich ein wenig enttäuscht, ist der Remix doch eher zum Gähnen. Ebenso eintönig klingt für mich der Dr Benway Mix und irgendwie werde ich auch mit dem Strange Connection Remix nicht warm. Irgendwie alles schon mal gehört und nichts Neues. Schade!

Unterm Strich ist das Album in meinen Lauschern leider nur mittelmäßig. Da sollten RED INDUSTRIE also mal noch ein wenig an den Gesangslinien arbeiten und das nächste Mal die Remixe einfach weglassen. Die Ideen sind wie erwähnt super und der Sound macht Spaß. Nur auf die Dauer stellt sich eben eine gewisse Langatmigkeit ein. Dennoch bietet „Switch“ die eine und auch andere Perle, so dass ich doch des Öfteren mal das Album einlege und guten Gewissens einige Songs anSWITCHen werde.

S. G.
6 von 10 Punkten

First Aid 4 Souls – Brutpop * CD review

2010/01/14


Elektroklänge aus Ungarn. Das Quintett First Aid 4 Souls ist noch ein recht junges Projekt, welches 2006 gegründet wurde. Einige der Bandmembers jedoch werkeln schon Anfang der 90er herum und somit konnte unter dem Namen First Aid 4 Souls in der Heimat Ungarn schon ein Name errungen werden. Auf den geneigten Hörer wartet eine Mischung aus Die Form, Massive Attack, Kirlian Camera und alles zusammen klingt durchweg innovativ, spannend und vielschichtig.

First Aid 4 Souls umgarnt den Hörer mit sehr komplexen Soundteppichen, rhythmischen Beats und einem sauberen weiblichen Gesang. So zumindest beim Einsteiger „Before The Light“, dem darauf folgenden Track „First Aid“ und auch bei „Circus Maximus“. Es ist irgendwie eine schräge düstere Mischung aus Klaviernoten, Streichern, Flüstern, Beats und melodischen Arrangements aus dem Synthesizer. Teilweise scheint es so komplex, dass es schon fast verwirrt und man dem Konstrukt nicht recht folgen kann.
Der Song „Painkiller“ kommt anfangs gänzlich ohne Vocals aus und bedient uns mit dem Hauptaugenmerk Eingängigkeit und Rhythmus. Erst im zweiten Drittel setzen männliche Flüstervocals ein, welche dem Song eine ordentliche Prise Düsterkeit verpassen.
Im Song „Powa“ kommen zum allgemein schon komplexen Grundgerüst noch Gitarrensounds hinzu und Sängerin Katalin Helfenbein zeigt sich sowohl von der gesanglich sanften als auch von ihrer rauen Seite. So paaren sich saubere Gesangsparts mit rauen und derben Einwürfen. Ebenso rockig kommt „Wings of Morpheus“ daher. Aber hier ist es schon wieder fast zu komplex. Noch ne Note härter und rockiger wird es mit „Hairy-[ass]ed (Hun Version)“. Verzerrte Vocals und Shouts treffen auf Rocksounds, Marschgeräusche, helle Percussion und ausgetüfftelte Soundgerüste. Einfach nur schräg!
Schon fast Ambient und sehr experimentell wird es mit den Tracks „Reconquista“ und auch dem letzten Song der Scheibe „The Wave“. Ganz schräg wird es dann bei „Sui.Acid“ (ein tolles Wortspiel übrigens). Hier treffen etliche Genres aufeinander (Reggae, Ska, Electro, Ambient, Pop, Soul, Akustik uvm.). Absolut neu und innovativ in meinen Ohren.
In eine ganz andere Richtung verschlägt es uns bei „The Unborn Child“ und auch bei „Crime And Punishment“. Die Songs sind durchweg catchy und bestechen durch den männlichen Gesang. Ambient meets Emotion und beides zusammen trifft auf düstere Soundteppiche. Das gefällt.
Durchaus clubtauglich geht es mit „Robochan“ heftig zur Sache. Hier gibt es auch wieder viel innovatives auf die Ohren. So könnte die Musik der Zukunft klingen? Ich denke gerade bei diesem Song sind First Aif 4 Souls ihrer Zeit einfach voraus.

Alles in Allem habe ich nun eine Reise hinter mir, die durchweg abwechslungsreich gestaltet war. Und so führte es vorbei an psychedelischen Soulerlebnissen, tranceartigen Ambientsounds, rockigen Einwürfen, elektronischen Klanglandschaften und gesanglichen Hörvergnügen, welche unter die Haut gehen.
Ich weiß nicht recht, ob ich nach dem Durchhören der Scheibe nun sprachlos bin, weil sie einfach so genial ist oder eben weil ich verwirrt und vor lauter Komplexität überfüllt bin.
Tja, nun stellt sich mir die Frage: Ist die Musik von First Aid 4 Souls gezeugt von Genie oder Wahnsinn? Ich denke, es steckt von beiden eine gehörige Prise drin. Jedenfalls ist „Brutpop“ in meinen Ohren was ganz anderes und nie gehörtes und dementsprechend mal eine Auflockerung und Wohltat für’s von technoiden „Utz Utz“ übersättigte Gehör.
Die „Erste Hilfe für Seelen“ ist also gut gelungen, wenn auch gleich ein bisschen zu viele Wirkstoffe verabreicht wurden.

9 von 10 Punkten

Anspieltipps:
The Unborn Child
Hairy-[ass]ed (Hun Version)
Crime And Punishment

Quelle: http://www.fahrplan-schwarz.de/fs/index.php/review/309-first-aid-4-souls-brutpop.html

Geschrieben von:  S. G.


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